Das Ende der Zeit
Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Zeit und dem Ende der Zeit. Er wird klären, was es bedeutet, wenn wir sagen: „Das Ende der Zeit ist nicht das Ende der Tage.“
Wir können zwischen zwei Arten von Zeitbewußtsein unterscheiden:
1. ein in der Zeit gefangenes Bewußtsein
2. ein aus der Zeit befreites Bewußtsein
Die erste Form von Bewußtsein sieht Zeit als etwas Gegebenes an, als etwas, dem nicht zu entrinnen ist.
Zum prinzipiellen Verständnis dieser ersten Form von Zeitbewußtsein seien akzentuierend zwei unterschiedliche Typen Mensch gegenübergestellt, die beide in der Zeit gefangen sind:
Der Atheist: Er sieht seine Lebensspanne auf den Zeitraum von Zeugung/Geburt bis zum Tod begrenzt. Er sieht vorher nichts und nachher nichts.
Je nach persönlicher Prädisposition wird er einen durch Aktivität oder Passivität bestimmten Lebensverlauf haben. Seine Beweggründe finden sich in der diesseitigen Welt, im Hier und Jetzt.
Der Gläubige: Er hat ein in der Regel vages Verständnis von der Ewigkeit (er sieht sie als unendliche Menge Zeit an) und sieht sein irdisches Leben etwa als Qualifikation für das Leben nach dem Tod.
Für das ‘Vorher’ des Gläubigen gibt es Konfessionsunterschiede, wir erkennen ‘Wiedergeburts-’ und ‘Man lebt nur einmal-’Varianten. Das ‘Nachher’ ist das, was sein Leben bestimmt, seine Beweggründe liegen in der jenseitigen Welt, in einem Woanders und Später.
Beide sind in der Zeit gefangen, der eine muß, eine depressive Verarbeitung ausgenommen, jetzt erledigen, was zu erledigen ist und der andere muß geduldig warten, bis er dort ist, wo er hinwill.
Die zweite Form ist frei: Dieses Bewußtsein sieht Zeit als Erscheinungsform des kosmischen Enfaltungsprozesses. Es erkennt die Zeit und ihre Gestaltung durch die Wahrnehmung des lebenden Menschen. Grundsätzlich kann es drei Unterscheidungen sehen:
- es gibt scheinbare Endlichkeit – mit Anfang und Ende
- es gibt scheinbare Ewigkeit – ohne Ende und mit bzw. ohne Anfang
- es gibt die echte Ewigkeit – das ist Nichtzeit
In dieser Nichtzeit kann tatsächlich jede beliebige Menge Zeit durch die Interaktion von wahrnehmendem Bewußtsein und wirklichkeitsschaffendem/-formenden Superbewußtsein erzeugt werden.
Ein Mensch mit der zweiten, freien Form von Zeitbewußtsein kann also in unserer ganz normalen Welt leben, in der jeder Tag 24 Stunden hat und „simultan“ in einer Welt, in der es keine Zeit gibt.
Die erste (Linearzeit) umgreift wesentlich seine körperliche, die zweite (Nichtzeit) seine geistige Erlebens- und Verhaltenswelt. Für ihn gilt: Das Ende der Zeit ist nicht das Ende der Tage.