Archive für 26.5.2008

Die unsägliche Spaltung

In der Alchemie und der analytischen Psychologie findet sich der Begriff der coincidentia oppositorum. Das „Zusammentreffen der Gegensätze“.

Ein schönes Beispiel finden wir in J. R. R. Tolkien, mit dem ich mich die letzten Tage beschäftigt habe.

Er ist nicht nur der Autor des Herrn der Ringe, er war im Leben und in der Selbstwahrnehmung auch ein streitbarer Katholik, der diese Konfession Freunden und Bekannten nahelegte.

Wenn wir sein Werk aber genauer ansehen, ist dieses voll von Motiven nordischer Mythologie.

Von außen ist sie zu erkennen, die unsägliche Spaltung:

  • Hier, in der bewußten Ebene des Seins, der christliche Papist und
  • dort im Reich der Vorstellung, der heidnische Phantast.

Ichthys, Hugin und MuninDies selbst einzusehen, war dem Schriftsteller selbst nicht erlaubt, er hätte sich sogar verwehrt gegen die Behauptung, sein Werk sei heidnisch durchzogen. Er hätte etwa gesagt, daß er versucht habe, mit den Mitteln der unterhaltenden Literatur christliches Gedankengut unter die Menschen zu bringen.

Er hätte sicherlich gut argumentiert, denn er war ein kluger Mann. Doch seine Argumentation beruhte auf einer alchemistisch unvollständig entwickelten Seele. Die Forderung: im Bewußtsein „aus allem eins“ zu machen, ist in seinem Fall nicht erfüllt.

Bezogen auf seine Seele erkennen wir

  • von außen: die coincidentia oppositorum und
  • von innen: die Spaltung.

Digitale Skizze: Ichthys von Hugin und Munin getragen, gekrallt?
Nebenüberlegung: Das germanische (!) ‘tolkien’ bedeutet ‘tollkühn’.

Gesalbt/Anointed - to whom it may concern

Das Konstituierende am Gesalbtsein
ist die Salbe.
Nicht die Haut.

The basic condition of being anointed
is the ointment.
Not the skin.

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