Archive für 31.1.2008

Warum hat Gott das zugelassen?

Immer wieder begegnet mir diese Frage: „Warum hat Gott das zugelassen?“ Nicht selten im Nimbus flammender Aggression. Ich antworte dann, daß das gar nicht die richtige Frage ist, sondern die: „Warum hast Du das gemacht?“

Ich führe dann meist aus: „Wir kommen nur dann in die Heimat unserer Seele zurück, wenn wir aus dem vorwurfsvollen, ‘Ich bin nicht daran schuld, sondern jemand anders!’ herausfinden und unseren eigenen Anteil am Geschehen sehen.“

Auch hier ist die Wahrheit ganz einfach: Gott lebt mit und in einem System von Regeln. Gott hält sich an die Regeln, er kommuniziert die Regeln offen. Ein Aspekt des Regulariums ist der freie Wille. Es steht und stand jedem frei, sich innerhalb der Regeln oder außerhalb der Regeln zu bewegen.

Statt die Projektion und Verdrängung zementierende Frage zu stellen, „Warum hat Gott das zugelassen?“ ist es klüger, nachzuforschen, wo und wie man sich außerhalb der Regeln Gottes bewegt. Der Forscher-Blick muß weit und tief gehen, denn wir sind vernetzt in familiale und größere Seeleneinheiten. Außerdem sind wir mit der Vergangenheit verbunden.

Überall dort kann verborgen sein, was wir nicht sehen wollen, nämlich, daß unsere Situation von nichts anderem herrührt als vom eigenen Verhalten, von den eigenen Einstellungen. Oder erweitert: vom Verhalten und Erleben der größeren Seelenfelder, in die man eingebunden ist.

Es ist unser Versagen gegenüber der Schöpfung, unser Versagen vor Gott, das unsere Probleme verursacht. Also ganz deutlich: Wer die Frage „Warum hat Gott das zugelassen?“ stellt, wird hören müssen: „Gott muß es zulassen, aber Du brauchst es nicht zu tun.“

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